PR Couch Teil 28

Lobbying

Lobbying stammt ursprünglich von dem lateinischen Wort „labium“ (Vorhalle, Wartehalle) ab und hat vor allem aber in der Politik große Bedeutung gewonnen.  Bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden in England und den USA politische Entscheidungen nicht mehr hinter verschlossenen Türen getroffen – daher der Begriff Lobbying. Dieser Begriff definiert in der Öffentlichkeitsarbeit die Kontaktpflege zu Medien und relevanten Journalisten auf Grund von bestimmten Interessen, um diese im Sinne eines bestimmten Unternehmens oder einer bestimmten Organisation zielgerichtet zu beeinflussen.

Vergleicht man verschiedene Definitionen von Lobbying, so kann man drei markante Merkmale der Begriffsbestimmung feststellen: Einflussnahmen, Informationsbeschaffung und Informationsaustausch. Eine wesentliche Voraussetzung für Lobbying ist es, ausreichend Geld und Zeit zu haben, um Kontakte zu einflussreichen Personen oder Gruppen aufbauen zu können.

In Österreich ist der Lobbyismus auf Grund der politischen Einbindung von Sozialpartnern noch nicht so ausgeprägt. Es gibt zwei wesentliche Gruppierungen, die sich mit Lobbying beschäftigen: das Austrian Lobbying and Public Affairs – kurz ALPAC. Dabei handelt es sich um eine einflussreiche Vereinigung der Eigentümer von Lobbying- und Politikberatungsunternehmen http://www.alpac.at/alpac/  Die zweite Institution ist PASA (Public Affairs Society Austria), eine Teilorganisation des Public Relations Verband Austria. Diese hat sich zur Aufgabe gemacht, „Qualität und Transparenz von Public Affairs in Österreich zu sichern“. http://www.pasa.at/

Obwohl auf dem Begriff Lobbyismus im deutsprachigen Raum noch immer ein negativer Beigeschmack haftet (manche sehen darin eine Bestechung), ist die Lobbying-Industrie weltweit im Vormarsch. In Brüssel umfasst die Lobbying-Industrie ca. 13.000 Lobbyisten und, obwohl nur halb so groß wie jene in Washington, ist sie doch die zweitgrößte weltweit. Auf EU-Ebene und auch speziell in Österreich ist das Lobbying durch Verhaltenskodex teilweise reguliert worden (z.B.: Geschenke dürfen in Brüssel nicht den Wert von 150 Euro übersteigen).

Es gibt drei verschiedene Methoden des Lobbyings:

  • Das direct lobbying bezeichnet die offensichtliche Arbeit der Lobbyisten: das Zusammenfassen von Informationen für die z.B. Abgeordneten und der persönliche Kontakt zu ihnen und ihrem Stab.
  • Das indirect lobbying beschreibt sowohl den Umgang mit den Medien (das Schalten von Anzeigen oder Werbespots, die die Position der jeweiligen Interessengruppe untermauern) als auch Demonstrationen und Boykotte. 
  • Das grassroots lobbying, hat eine lange Tradition in den USA und wird teilweise auch sehr erfolgreich angewandt. Hierbei rufen die Interessensgruppen ihre Mitglieder oder Symphatisanten dazu auf, sich direkt an ihren Abgeordneten zu wenden, um dessen Unterstützung für ein ihnen wichtiges Thema zu sichern.

Vertiefende Literatur:
Bender, Gunnar / Reulecke, Lutz: Handbuch des deutschen Lobbyisten. Wie ein modernes und transparentes Politikmanagement funktioniert, 2. Auflage, FAZ-Verlag, 2004

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