PR Couch Teil 39
Ethik der PR
Für manche Menschen hat die Öffentlichkeitsarbeit einen zweifelhaften Ruf. Ab und zu auch zu Recht, denn schwarze Schafe sind in jeder Branche zu finden. Die Vorwürfe reichen von Manipulation und Bestechung von Journalisten, Verrechnung von zu hohen Beraterhonoraren bis hin zu fragwürdigen PR-Methoden. Um diesem Fehlverhalten einen Riegel vorzuschieben und die Glaubwürdigkeit der Öffentlichkeitsarbeit zu untermauern, gibt es bereits seit Jahren Verhaltencodizes für die PR. Wie beim Journalismus wurde eine Art Selbstkontrolle eingerichtet: Beide Berufsgruppen haben sich Richtlinien (Codizes) zu ethischem Verhalten selbst auferlegt. Diese sollen auch dabei helfen, das Vertrauen in diese Berufgruppen zu stärken. So gibt es z.B. in Deutschland seit 1. Jänner 2007 eine Novellierung des Pressekodex (dieser wurde im Rahmen des 50-jährigen Jubiläums des deutschen Presserates vorgestellt).
PR-Codizes in Österreich
Hier zu Lande regelt der Public Relations Verband Austria (PRVA) den PR-Codex. Auf dessen Homepage kann man folgende Erklärung diesbezüglich finden:
„Jedes PRVA-Mitglied bekennt sich zum PRVA-Ehrenkodex und den in der Folge angeführten Grundsätzen des Code d'Ethique International, angenommen von der Conféderation Européenne Relations Publiques (www.cerp.org) anlässlich der Generalversammlung in Athen am 11. Mai 1965 (Athener Kodex).“ www.prva.at/verband/athencodex.html
Die bedeutendsten Codizes in Europa:
§ Athener Kodex: Diese Erklärung dient als Grundlage jeglicher Moralcodizes aller nationalen und internationalen PR-Verbände mit Einzel- oder Verbandsmitgliedschaft. Personen, die im Gebiet der Öffentlichkeitsarbeit tätig sind, sollen dazu beitragen, die geistigen, moralischen und sozialen Grundbedürfnisse des Menschen zu befriedigen.
www.prva.at/verband/athencodex_grundsaetze.html
§ Code de Lisbonne: Dabei handelt es sich um den Europäischen Kodex für ein professionelles Verhalten in der Öffentlichkeitsarbeit vom 16. April 1978. Auch in dieser Erklärung gibt es einen engen Bezug zu den allgemeinen Menschrechten, die von den Vereinten Nationen festgehalten wurde. Die in der französischen und englischen Version festgehaltene Pflicht zur Anzeige bei Verstößen und die Androhung von Sanktionen bei Nichtanzeige wurden jedoch von einigen Staaten nicht übernommen.
www.drpr-online.de/statische/itemshowone.php4?id=6
§ Liste weiterer internationaler PR-Codizes finden Sie unter folgendem Link: www.mavridis.de/links/codizes.htm
Solche Ehren- und Verhaltenscodizes bieten generelle Richtlinien, die besonders PR-Neulingen eine Art Orientierungshilfe leisten, indem sie adäquate Verhaltensregeln verdeutlichen und die Neueinsteiger in Hinblick auf die moralischen Werte dieser Branche sensibilisieren. Gleichzeitig reduzieren diese Verhaltensrichtlinien die Notwendigkeit staatlich erlassener Regelungen. Darin liegt aber gleichzeitig auch der Nachteil solcher Codizes. Da sie eine Selbstkontrolle innerhalb der Branche darstellen, werden sie leider nicht von jedem ernst genommen.
Vertiefende Literatur:
Förg Birgit : Moral und Ethik der PR, VS Verlag für Sozialwissenschaften, 1. Auflage, 2004